Geschichten/Weisheiten

 

 

13. Die versunkene Kathedrale

 

Geschichte zum Thema: Wenn wir "unsere Vorstellungen loslassen ... können Wunder geschehen ... "  

 

Die versunkene Kathedrale 

Auf einer Insel gab es einmal eine Kathedrale mit tausend Glocken; große und klei-ne, geschaffen von einem der begnadetsten Handwerker der Welt. Wenn der Wind sie berührte oder ein Sturm sie schüttelte, ließen die Glocken eine Symphonie er-klingen, die das Herz dessen, der sie hörte, in Glückseligkeit versetzte.

 

Jahrhunderte vergingen. Irgendwann versank die Insel im Ozean - und mit ihr ver-sanken die Kathedralenglocken. Eine Legende aber berichtet, dass die Glocken im-mer noch unaufhörlich läuten, und ein jeder, der genau hinhört, kann sie verneh-men. Ja, es soll sogar Augenblicke geben, in denen die Kathedrale im kristallklaren Wasser sichtbar wird und emporzutauchen scheint!

 

Ein junger Mann glaubte der Legende und machte sich auf den Weg, Tausende von Meilen, um diese Glocken zu hören. Viele Tage lang saß er an dem Ufer, das ein-mal die versunkene Insel gesehen hatte und hörte mit seiner ganzen Entschlossen-heit hin. Aber in seine Ohren drang nur das Tosen des Meeres. Angestrengt ver-suchte er es zu ignorieren, es half nichts. Das Tosen schien die Welt zu überfluten. Wochenlang blieb er seinem Vorhaben treu. Jedesmal, wenn er den Mut verlieren wollte, ging er zu den weisen Männern des Dorfes und hörte, wie sie mit Ehrfurcht die geheimnisvolle Legende von der versunkenen Kathedrale erzählten. Sein Herz entflammte dabei immer wieder neu - um ebenso wieder enttäuscht zu werden. Sein Mühen zeigte keinen Erfolg.

 

Irgendwann entschloss er sich aufzugeben. Vielleicht war es nicht seine Bestim-mung, die Glocken zu hören. Vielleicht war die Legende auch gar nicht wahr. Und so ging er vor seiner Abreise noch einmal an den Strand, um sich vom Meer und vom Himmel, vom Wind und den Kokospalmen zu verabschieden. Er legte sich in den Sand und lauschte zum ersten Mal einfach dem Tosen des Meeres. Ohne es recht zu merken, hörte er hinein in das unaufhörliche Geräusch und gelangte in ein Schweigen, das sich in der Mitte des Tosens ausbreitete.

 

Und in diesem Schweigen hörte er es! ...

 

Das Klingen einer winzigen Glocke, gefolgt von einer anderen, und wieder einer und noch einer... Bis eine jede der tausend Glocken in jene unbeschreibliche Har-monie einstimmte, die sein Herz mit glückseligem Licht durchströmte...

 

Verfasser: Bretonische Legende der versunkenen Stadt

 

 

Das Leben ist wie eine Treppe manchmal

 

geht es aufwärts

 

und manchmal geht es abwärts.

 

Schön, wenn man dabei begleitet wird.

 

Eine Beratung ist auf Wunsch auch telefonisch möglich